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Do 15.8. 15:00 Charade
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The Wild Pear Tree

Von Nuri Bilge Ceylan / Türkei / 2018

Nach dem meisterlichen Cannes-Sieger «Winter Sleep» scheint Nuri Bilge Ceylan noch tiefer vorzudringen in den Zauber des Literarischen im Kino. Er erzählt von Sinan, der nach Abschluss seines Studiums in seine heimatliche Provinz zurückkehrt. Im anatolischen Heimatdorf holen ihn die Schulden seines Vaters ein und Fragen, die sich ihm und uns stellen. Der Filmtitel «The Wild Pear Tree» steht auch für den Titel des ersten Romans, den Sinan verfasst hat. Wir schauen gewissermassen einem Buch in seiner Entstehung zu, ohne dass wir uns dessen bewusst wären. Es wird auch nicht geschrieben, es bildet sich aus und mit dem, was sich da eben gerade abspielt. Man könnte auch sagen: Wir schauen der Literatur beim Literaturwerden zu. Sinan soll als Lehrer arbeiten und muss angesichts der politischen Lage fürchten, versetzt zu werden. In der Schule wie in der Kultur hat man es in der Türkei von heute nicht einfach. Freies Denken ist nicht erwünscht und schädlicher als Rauchen. Es könnte Fragen stellen oder sich lustig machen, beides Dinge, die Autokraten nicht mögen. Aber Nuri Bilge Ceylan ist kein Autor, der seine Lebenszeit mit dem Oberflächenhandwerk Politik vergeuden möchte. Seine Filme sind existenzielle, dadurch werden sie politisch. Hier visualisiert er wie gewohnt bestechend und dialogisiert in literarischer Grösse. Die Bilder geben der Sprache Raum, im Ton wirkt auch ein Schweigen oder der Hauch des Windes ausdrucksstark. Einem Ceylan-Film sollte man offen begegnen, dann wünscht man nach drei Stunden, das Schauen und Lauschen mögen noch lange dauern.

Dauer: 188 Minuten
Sprache: Türkisch/d/f
Altersfreigabe: 16
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