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Spieldaten
Do 14.12  15:00

North by Northwest

Alfred Hitchcock, USA, 1959
136 Min.

Sir Alfred Hitchcock war von allem Anfang an in seiner grossen Filmerkarriere begeistert von der Eisenbahn. Als Knabe schon hat er intensiv Fahrpläne studiert. Bis Cary Grant freilich mit Eve Marie Saint in «North By Northwest» ein Schlafwagenabteil teilen darf hat Hitch manchen Zug fahren lassen. Der ganze Schlussteil von «Number 17» (1932) spielt sich auf einem dahinrasenden Güterzug ab, auf dem acht Figuren nach dem Collier jagen, das längst der schlaue Cockney eingesteckt hat. Hier wie danach in «Young and Innocent» reizt Hitchcock am Zug nicht nur die Bewegung. Seine Züge fahren nachts und lassen Licht und Schatten über die Gesichter tanzen oder schlucken im Pfiff der Lokomotive den Schrei einer Frau (The 39 Steps). Schliesslich hat er den McGuffin, sein Lieblingselement, mit einer Zugsgeschichte erläutert: Zwei Männer sitzen im Zug. Fragt der eine: «Was ist das für ein Paket im Gepäcknetz?» – «Das? Das ist der McGuffin», antwortet der zweite. «Und was ist das, der McGuffin?» will der erste wissen. «Der McGuffin ist ein Apparat, mit dem man in Schottland Löwen fängt», antwortet der zweite. «Aber in Schottland gibt es doch gar keine Löwen», wendet der erste ein. «Dann ist es eben nicht der McGuffin», gibt der zweite zurück. Da steht er, in Anzug und Kravatte, mitten in einer dieser unendlichen nordamerikanischen Ebenen, die einzig durch einen Highway durchschnitten werden, an einem Bus-Stop, bei dem man sich fragen kann, ob da jemals ein halbwegs vernünftiger Mensch aussteigen würde. Warum steht er da? Eine obskure Organisation hat ihn dahingeschickt, weil man ihn umlegen will. Und wie gedenkt man das zu tun? Mit Hilfe eines Kleinflugzeugs, das über die Ödnis angeflogen kommt, um mit Maschinengewehrsalven auf den Ärmsten loszuballern. Kann man sich eine absurdere Situation vorstellen, in der ein New Yorker Geschäftsmann der Durchschnittsklasse umgebracht werden soll? Kann man sich einen anderen Regisseur ausdenken, dem das Publikum diese Szene abnehmen würde, mehr noch: der einen auch beim zehnten Wiedersehen noch fürchten liesse, vielleicht schafft es Cary Grant dieses Mal doch nicht? Weil dem emigrierten Briten für «North By Northwest» der eine unmögliche Schauplatz allein nicht genügt, wählt er gleich noch einen zweiten: Jenen der Präsidentenköpfe des Mount Rushmore, wo er den Showdown seines Filmes inszeniert und das absolute Glück seiner beiden Hauptfiguren mit einem Handgriff und einem Schnitt in den Schlafwagen vom totalen Unglück trennt.

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