© Kino Orient  
Spieldaten
Di 28.11  17:30

La Notte Di San Lorenzo

Paolo & Vittorio Taviani, Italien, 1982
105 Min.

Weil der Juni so schön ist und das Orient im Juli in den Sommerschlaf verfällt, ist gleich noch eine zweite Kinoperle angesagt, auf die Gefahr hin, dass es wieder Klagen gibt, man müsse da ständig ins Kino, weils so viele gute Filme gibt. Auch dieser hat es in sich, einer der Klassiker bereits des jüngeren italienischen Kinos und ein Film, der vor einem Vierteljahrhundert an einem unvergesslichen Abend mehr als 8’000 Menschen auf der Piazza Grande in Locarno in seinen Bann zog mit seiner filmischen Zauberkraft und der Friedensbotschaft.

Italien 1944. Heimlich schleicht sich eine Gruppe von BewohnerInnen aus ihrem Heimatdorf in der Toskana, um den amerikanischen Befreiern entgegenzueilen, während die zurückgebliebenen in der Kirche Schutz erhoffen und einem Vergeltungsschlag der Deutschen zum Opfer fallen. Die Flüchtlinge durchleben alle Stadien der Hoffnung und der Verzweiflung und sehen sich in einer legendären Sequenz schliesslich mit italienischen Faschisten konfrontiert. «La notte di San Lorenzo» ist an sich ein historischer Film in dem Sinn, als er von einer vergangenen Zeit in Europa erzählt. Doch seine realistische Grundierung erhält durch die märchenhaft-mythischen Überhöhungen und melodramatischen Zuspitzungen, aber auch durch die zentrale Figur eines Mädchens, das die Geschichte in der Rahmenhandlung der eigenen Tochter erzählt, eine universelle Aussagekraft. Kino wird hier zum Gesamterlebnis von elementarer Sinnlichkeit und Wucht. Nachdem die Flüchtlinge den ganzen Film lang auf die Befreiung von aussen gehofft haben, müssen sie sich zuletzt ihres hausgemachten Faschismus selbst entledigen.

Druckerfreundliche Version