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Spieldaten
Mo 25.06  20:30
Mi 27.06  20:30

Una questione privata

Paolo und Vittorio Taviani, Italien, 2016
85 Min.

Der letzte Film, den die Gebrüder Taviani zusammen geschrieben haben, ist auch ein schönes Stück Nostalgie. Im Geist ihres Meisterwerks «La notte di San Lorenzo» blenden sie noch einmal zurück in die Endphase des Zweiten Weltkriegs. Partisan Giorgio kämpft um seinen Freund Milton, gleichzeitig sieht er ihn als Konkurrenten in der geteilten Leidenschaft für Fulvia, jene junge Frau, die sich in den Norden abgesetzt hat, aber in den Träumen der beiden präsent bleibt. In Italien – und nicht nur dort – prägen rechte Populisten derzeit wieder die Politik. Sie reden viel, versprechen viel und wenn‘s ums Lösen von Problemen geht, fällt ihnen nichts ein. Davon, wohin das in ihrem Land geführt hat, haben die Gebrüder Paolo und Vittorio Taviani in Filmen erzählt, die das europäische Autorenkino mitgeprägt haben, allen voran in «La notte di San Lorenzo». Was schleichend sich etablierte, endete im Faschismus und im Zweiten Weltkrieg. Höchste Zeit, sagten sich die beiden Altmeister, dass wir uns besinnen. Es ist, als wollten Paolo und Vittorio Taviani daran erinnern, wenn sie in «Una questione privata» noch einmal in die Zeit des Widerstands gegen die Faschisten blenden. Sie tun es auf der Basis des 1963 erschienenen autobiografischen Romans von Beppe Fenoglio, der seinerseits zu Italiens Schlüsselwerken gehört. Zwei Freunde haben die selbe Frau angebetet und leben nun im Nebel einer Zeit, in der niemand sicher sein kann, ob der andere Freund oder Verräter ist. In einprägsamen Bildern und einem unaufgeregten Rhythmus zeigen die Tavianis, dass am Ende die Liebe und die Freundschaft zählen. Gleichzeitig führen sie vor Augen, wie das Gedankengut der Populisten in die Irre führt. «Una questione privata» wirkt melancholisch wie das Echo einer anderen Erzählzeit.

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